Am 3. November 2009 haben wir zum Mitdiskutieren zu einer Veranstaltung am darauf folgenden Montag eingeladen:

Besuch von Schülern bei der Bundeswehr:
Wie kann Aufklärung gelingen?

Der Friedenskreis Eutin e.V. und die Eutiner Grünen laden zu diesem Thema zu einer Diskussionsveranstaltung ein. Sie findet am 9. November 2009 ab 19:30 Uhr in der Kreisbibliothek Eutin statt. Unter der Moderation von Pastorin Stephanie Schwer diskutieren Schulrat Manfred Meyer, Rektor Matthias Isecke-Vogelsang, Major Kay Nioduschewski, Zeitungsredakteur Achim Krauskopf, Pastor Lutz Tamchina und die grüne Stadtvertreterin Monika Obieray.

Der Besuch einer 8. Klasse in der Rettbergkaserne war nach dem Bericht im Ostholsteiner Anzeiger vom 9. Oktober 2009 eine misslungene Veranstaltung. Statt „Lernen am anderen Ort“ erhielten die 14- bis 15-jährigen eine Vorführung am Schießsimulator, die begeistert hat: „Das hier ist 1000 Mal besser als Playstation.“ Dies wollen die Veranstalter nicht auf sich beruhen lassen und bieten eine Diskussion an, zu der Eltern, Schülerinnen und Schüler und die interessierte Öffentlichkeit eingeladen sind.

Der Schulleiter der Grund- und Hauptschule Süsel hat die Eltern der betroffenen Schulklasse in einem persönlichen Brief auf diese Diskussionsrunde hingewiesen, was von den beiden Veranstaltern ausdrücklich begrüßt wird. Sie erwarten aus der Diskussion Hilfestellungen für die pädagogische Arbeit zu einem schwierigen und sehr sensiblen Thema. Schuldzuweisungen an einzelne Lehrer oder Soldaten wären nicht im Sinne der Veranstalter.

Aufgrund eines kurzfristig geäußerten Wunsches der Bundeswehr war auch der Jugendoffizier Kapitänleutnant Mathias Willerscheidt auf dem Podium vertreten.

Zu der Veranstaltung schrieb Henning von Schöning den folgenden Leserbrief, der am 14. November 2009 im Ostholsteiner Anzeiger veröffentlicht worden ist:

Wieder ist Pastor Lutz Tamchina zur Zielscheibe einer Hass erfüllten Attacke geworden, dieses Mal im Leserbrief „Von Sektierern umfunktioniert?“, der am 12. November erschienen ist.

Erstaunlich ist, was den Leserbrief-Schreiber Hermann Sderra so in Harnisch gebracht hat: Soldaten haben „keinen Beruf wie andere“. Was ist an dieser Feststellung Tamchinas so falsch? Schließlich ist es nur Soldaten und Polizisten erlaubt, bei der Ausübung ihres Berufes Gewalt gegen andere Menschen anzuwenden.

Dann wird Tamchinas Formulierung, die Bundeswehr stelle „nicht die Mitte der Gesellschaft“ dar, heftigst kritisiert. Ja bitte, wo leben wir denn? Ich hoffe doch in einer demokratischen Zivilgesellschaft, in der nicht die Armee das Sagen hat, sondern in der dem Militär gesagt wird, was es zu tun und zu lassen hat. Das ist bei uns die Aufgabe eines aus freien Wahlen hervorgegangenen Parlaments und einer demokratisch legitimierten Regierung. Diese gehört für fragwürdige Auslandseinsätze kritisiert, nicht die Soldaten, und genau so hält das auch Herr Tamchina.

Leider scheint es so zu sein, dass Herr Tamchina sich für einige Leute zu einer Projektionsfläche ihres Hasses entwickelt hat. Das konnte man auch am Montag bei der Diskussion in der Kreisbibliothek beobachten: Egal, was Lutz Tamchina sagt. Einige Zeitgenossen drehen ihm das Wort im Munde herum, damit sie dann verbal auf ihn eindreschen können.

Die grüne Landtagsabgeordnete Anke Erdmann antwortete am 20. November 2009 auf die Anfrage eines Bürgers zur Rechtslage des Besuchs von Schulklassen in Kasernen:

Veranstaltungen sind immer dann verpflichtend, wenn es sich um „Lernen am anderen Ort“ handelt. Das ist im Schulgesetz (Abschnitt II § 4 Abs. 10) geregelt. An sich sind diese außerschulischen Lernorte etwas, was wir gut finden. Aber es kommt natürlich auf die Umsetzung an.

Die Schulen sind gehalten - ebenfalls im Schulgesetz - Sachverhalte nicht politisch einseitig darzustellen, sondern die Lehrkräfte müssen für eine differenzierte Darstellung sorgen. Das würde in diesem Falle bedeuten, dass es eine ausgewogene Vor- und Nachbereitung geben muss, die auch die Positionen kritischer Einwürfe widergibt. Auch der Besuch bei einer Friedensinitiative im Anschluss hätte geplant werden können.

Im Schulgesetz wird ebenfalls festgelegt, dass die Schulen zur Friedensfähigkeit erziehen sollen. Wir ahnen beide, dass dies ein dehnbarer Begriff ist. Der Besuch der Klasse aus Süsel war wohl nicht im Sinne des Schulgesetzes, soweit ich das von Kiel aus beurteilen kann.

Die Eutiner Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen ist im Bilde und hat eine kritische Diskussion initiiert. Ich nehme an, dass Sie teilgenommen haben. Mal wieder ist eigentlich nicht der gesetzliche Rahmen das Problem, sondern die Umsetzung.

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